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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Infektiologie & Hygiene

Fieberkrampf: Diagnose

(siehe auch Anfallsleiden, zerebrale [Kind] und Epilepsien)

Fieberkrampf (Infektkrampf)

Definition

Epileptische Reaktion, die im Säuglings- und Kleinkindalter bei plötzlichem Temperaturanstieg extrazerebraler Infekte auftritt.

Häufigkeit

Morbidität bei Kindern von ½ bis 6 Jahre 2,5 %, Häufigkeitsgipfel 2. LJ.; Rezidiv bei 30 % der betroffenen Kinder

Einteilung

Einfache Infektkrämpfe

Fehlen der unten genannten Risikofaktoren 

Komplizierte Infektkrämpfe

Bei Vorhandensein eines der folgenden Risikofaktoren:

  • Zerebrale Vorschädigung oder familiäre Belastung
  • Prolongierter Anfall (länger als 15 Min.)
  • Beginn außerhalb des Prädilektionsalters (½-5 Jahre)
  • "Epilepsie-spezifisches" Intervall-EEG
  • Herdsymptome im Anfall (fokaler Beginn, Seitenbetonung) oder nach dem Krampfgeschehen (neurologische Seitendifferenz, Lähmungen)
  • Mehrmalige Wiederholung während eines Infektes
  • Mehr als insgesamt dreimalige Wiederholung

Ätiologie (auslösende Erkrankungen)

  • Häufig katarrhalische Infekte der oberen Luftwege, Exanthema subitum (Drei-Tage-Fieber)
  • Seltener Darminfektionen, Otitis media, Masern, Pneumonie, Harnwegsinfekte etc.
  • Familiäre Vorbelastung und zerebrale Vorschädigung erhöhen das Risiko

Anamnese

  • Anfallsart und -dauer, Beziehung zum Fieberverlauf
  • Infektsymptome (Schnupfen, Husten, Diarrhoe, Exanthem etc.)
  • Familienanamnese, frühere Krampfanfälle, zerebrale Vorschädigung

Symptome

Meist kurz vor oder im Fieberanstieg

  • Tonisch-klonische Grand-mal-Anfälle (am häufigsten)
  • Fokale motorische Anfälle (ca. 15 % der Fälle, oft Halbseitenkrämpfe)
  • Rein tonische oder atonische Anfälle (selten)
  • Häufig postiktaler Schlaf, nach lang anhaltenden Krämpfen Bewusstseinstrübung für Stunden möglich; nach fokalen Anfällen manchmal postiktale Paresen (meist Stunden bis Tage dauernd, sehr selten bleibend)

Diagnostik

  • Laboruntersuchungen je nach vermuteter Ätiologie (Blutbild, BKS, CRP, Stuhluntersuchung, Urinstatus, Serologie etc.)
  • Lumbalpunktion (Zellzahl, Zelldifferenzierung, Liquorkultur, Zucker, Eiweißgehalt, evtl. Antigenbestimmung) oft unumgänglich, da Abgrenzung zur Meningitis schwierig; bei Verzicht unbedingt stationäre Überwachung zur klinischen Verlaufskontrolle!
  • EEG

Differentialdiagnose

  • Meningitis, Enzephalitis (Unterscheidung oft nur durch Liquoruntersuchung möglich!)
  • Sonstige Gelegenheitskrämpfe (z. B. Hypoglykämie, Hypokalzämie, Stoffwechselerkrankungen etc.)
  • Affektkrämpfe, Synkopen

Komplikationen

  • Status, prolongierter Anfall → iktogener Hirnschaden möglich
  • Postiktale Paresen nach fokalen Anfällen

Prognose

  • Bei einfachen Infektkrämpfen gut, Dauerschäden sehr selten; auch bei Rezidivneigung in 90% der Fälle Sistieren bis zum 5. LJ.
  • Bei komplizierten Infektkrämpfen Defektsymptome möglich

 

Merke

  • Bei jedem Infektkrampf Meningitis ausschließen!
  • Nach erstem Infektkrampf unbedingt EEG
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Letztes Update:2 März, 2009 - 13:01